Es gibt Gespräche, die nicht laut sind – und gerade deshalb hängen bleiben. Dieses hier gehört dazu.
In der neuen Folge von Raus hier! spricht Aukse mit Joana Cotar. Acht Jahre Bundestag liegen hinter ihr. Acht Jahre mitten im politischen Betrieb, mitten in Fraktionszwängen, Abstimmungen, Machtlogiken. Was sie beschreibt, ist keine Empörung von außen, sondern eine nüchterne Diagnose von innen.
Und irgendwann fällt ein Satz, der wie ein Endpunkt klingt – oder wie ein Anfang:
„Dieses System ändert sich entweder durch massiven Druck
oder durch eine Disruption von außen.“
Reform aus Einsicht? Eine Illusion
Ein zentrales Motiv des Gesprächs ist die Frage, warum politische Systeme so schwer lernfähig sind. Warum selbst offensichtliche Fehlentwicklungen kaum zu Kurskorrekturen führen. Cotars Antwort ist unbequem, aber konsequent:
Systeme sind nicht auf Wahrheit oder Einsicht optimiert, sondern auf Selbsterhalt.
Wer sich zu weit bewegt, wer Regeln infrage stellt, wer nicht mehr zuverlässig funktioniert, wird aussortiert – nicht unbedingt offen, aber wirksam. Fraktionsdisziplin ersetzt Gewissensentscheidungen. Karrierepfade ersetzen Verantwortung.
Reform ist möglich, ja – aber nur innerhalb enger Grenzen. Und genau das macht sie so oft wirkungslos.
Druck oder Disruption – dazwischen ist wenig
Spannend ist, dass Cotar nicht in Fatalismus verfällt. Aber sie benennt klar die Optionen:
Druck von unten
Bürger, die nicht nur kommentieren, sondern Konsequenzen ziehen.
Nicht Bewunderung, sondern Distanz.
Nicht Hoffnung auf „die da oben“, sondern Eigenverantwortung.Disruption von außen
Ereignisse, die sich politischer Steuerung entziehen.
Krisen, Brüche, externe Schocks.
Dinge, die niemand plant – und die trotzdem alles verändern.
Beides ist unbequem. Beides kostet. Aber das „Weiter so“ erscheint in diesem Gespräch nicht mehr als realistische dritte Option.
Freiheit als Minimalforderung
Einer der stärksten Momente der Folge ist überraschend unspektakulär formuliert. Kein großes Freiheitsmanifest, kein Pathos. Nur ein Satz:
„Das größte Menschenrecht ist, in Ruhe gelassen zu werden.“
Es ist ein Freiheitsbegriff, der wenig verspricht – und gerade deshalb viel bedeutet. Keine Erlösungsfantasie, keine perfekte Ordnung. Sondern Abstand. Raum. Grenzen der Macht.
Vielleicht ist das die eigentliche Provokation dieses Gesprächs: Nicht die Forderung nach mehr Gestaltung, sondern nach weniger Zugriff.
Inside Bundestag – wenn Politik ihre Kulissen verliert
Viele der im Podcast angesprochenen Gedanken finden sich vertieft in Joana Cotars neuem Buch „Inside Bundestag“. Es ist kein Abrechnungsbuch, sondern ein Erfahrungsbericht. Einer, der zeigt, wie politische Realität entsteht – und warum gute Absichten so oft im System versanden.
👉 https://westendverlag.de/Inside-Bundestag/2426
Wer verstehen will, warum Politik sich anfühlt, wie sie sich anfühlt, findet hier keine einfachen Antworten – aber ehrliche Einblicke.
Der Blick über Deutschland hinaus
Am Rand des Gesprächs taucht eine weitere Perspektive auf: der internationale Vergleich.
Im März 2026 findet erstmals die Milei-Konferenz in Deutschland statt – ein Ort, an dem genau jene Fragen diskutiert werden, die dieses Gespräch durchziehen: Staat, Freiheit, Verantwortung, Grenzen politischer Macht.
👉 https://www.milei-institut.de/milei-konferenz-2026/
Unabhängig davon, wie man zu einzelnen Positionen steht, zeigt sich: Die Debatte ist längst größer als nationale Politik. Und sie wird nicht mehr verschwinden.
Ein Gespräch ohne Anleitung – aber mit Konsequenzen
Diese Folge von Raus hier! gibt keine Handlungsanweisung. Sie sagt niemandem, was zu tun ist.
Aber sie verschiebt etwas: den Blick auf Verantwortung, auf Macht, auf die eigene Rolle.
Vielleicht ist das schon genug.
Oder, um es mit Cotars Worten zu sagen:
Jetzt ist genug.
🎧 Zur Podcastfolge
👉 Raus hier! – Aukse im Gespräch mit Joana Cotar
(YouTube / Spotify / Fountain.fm)


