Musiker, Buchautor, Bitcoiner: Dominik Schwarzer erklärt, warum er glaubt, dass das Finanzsystem auf Betrug aufgebaut ist – und warum Bitcoin die einzige Ausnahme ist. Das Gespräch aus der Podcast-Folge Raus hier! #49.

Alles Betrug außer Bitcoin – Dominik Schwarzer im Gespräch mit Timo

Dominik Schwarzer wollte eigentlich Rockstar werden. Oder zumindest irgendetwas in der Nähe davon: Musikproduzent, Sänger, Trailerkomponist für Hollywood-Filme. Seine Musik lief im Kino, vor Filmen mit Matthew McConaughey. Er war in Los Angeles, hat Leute kennengelernt, hat Projekte gemacht. Dann kam Corona – und irgendwas in ihm hat sich verändert. Die Kreativität floss plötzlich woanders hin. Weg von der Musik, hin zu einem Buch, das erklärt, warum er überzeugt ist, dass nahezu alles in unserem Finanzsystem auf Betrug aufgebaut ist. Alles. Außer Bitcoin. In der aktuellen Folge von Raus hier! hat Timo mit Dominik über diesen Weg gesprochen – und über das, was dahintersteckt.
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Corona als Zäsur

Viele Bitcoiner haben eine ähnliche Geschichte: Irgendwann hat etwas nicht mehr gestimmt. Ein Moment, in dem das Vertrauen in die Institutionen nicht langsam, sondern schlagartig gebrochen ist. Für Dominik war das Corona. Nicht wegen des Virus selbst, sondern wegen der Reaktion darauf – der Gleichförmigkeit, der Angstmache, der Widersprüche. Er beschreibt, wie ihn das Massenerlebnis dieser Zeit so schockiert hat, dass er aufgehört hat, Musik zu machen, und stattdessen angefangen hat zu schreiben.

Das klingt dramatisch, aber es ist eigentlich eine sehr nachvollziehbare Reaktion: Wenn man merkt, dass die Welt anders funktioniert als man gedacht hat, braucht man einen Weg, das zu verarbeiten. Für Dominik war das Schreiben dieser Weg. Und Bitcoin wurde dabei nicht zum Thema, sondern zum Ankerpunkt.

 

Das Geldsystem als Betrugsmaschine

Der Kern von Dominiks Buch – und des Gesprächs – ist eine These, die auf den ersten Blick provokant klingt und auf den zweiten Blick ziemlich schwer zu widerlegen ist: Das Bankensystem ist das Geschäft des Vertrauens. Und dieses Vertrauen wird systematisch missbraucht.

Timo und Dominik reden im Gespräch über etwas, das die meisten Menschen nie wirklich durchdenken: Wie viel Zeit verbringen wir damit, Geld zu verdienen? Und wie viel Zeit verbringen wir damit, Geld zu verstehen? Die Antwort ist fast überall die gleiche. Wir investieren Jahre in unsere Ausbildung, Jahrzehnte in unsere Karriere – und fast keine Zeit darin, zu begreifen, was mit dem Geld eigentlich passiert, das wir dafür bekommen.

Ein konkretes Beispiel aus dem Gespräch: Timo ist vor 21 Jahren nach Hamburg gezogen, hat eine Vierzimmerwohnung für 900 Euro im Monat gemietet. Dieselbe Wohnung wird heute für 2.500 Euro ausgeschrieben. Ist die Miete teurer geworden – oder ist die Währung wertloser? Das ist keine rhetorische Frage. Es ist der Kern des Problems.

 

Warum Kriege nur mit Fiatgeld möglich sind

Einer der stärksten Momente im Gespräch ist die These von Dominik, die er so formuliert: Bitcoin ist die Währung des Weltfriedens.

Das klingt zunächst nach einer dieser großen, leeren Bitcoin-Überschriften. Aber die Begründung dahinter ist konkret. Kriege werden nicht von Völkern gewollt, sondern von den Wenigen finanziert, die Kontrolle über das Geldsystem haben. Mit Fiatgeld lässt sich Geld aus dem Nichts schöpfen, um Rüstung, Soldaten und Propaganda zu bezahlen. Der Irakkrieg. Der Petrodollar. Die amerikanische Militärmaschinerie, die primär dazu dient, den Status des Dollars als Weltleitwährung abzusichern – also nicht die Ölquellen zu kontrollieren, sondern den Handel damit in Dollar zu halten.

Mit Bitcoin geht das nicht. Es gibt 21 Millionen Einheiten. Fertig. Niemand kann das Angebot erhöhen, um einen Krieg zu finanzieren. Timo bringt es auf den Punkt: Die letzten 400 Jahre Staatsterror waren alle mit Fiatgeld finanziert.

Bemerkenswert dabei ist eine Aussage, die im Gespräch beinahe nebenbei fällt: Ein Ökonom aus dem deutschen Medienbetrieb sagte in einer Arte-Sendung, Bitcoin sei eine Katastrophe – weil man sich dann nämlich keine Kriege mehr leisten könne. Er meinte das als Kritik. Dominik und Timo sehen darin ein Argument.

 

Der digitale Euro: Programmierbare Kontrolle

Wenn Bitcoin die Antwort auf Fiatgeld ist, dann ist der digitale Euro die Antwort der Staaten auf Bitcoin. Und das Gespräch nimmt sich Zeit, diese Drohung ernst zu nehmen.

Der digitale Euro ist kein neutrales Zahlungsmittel. Er ist programmierbares Geld – mit allen Implikationen, die das hat. Dominik malt kein dystopisches Szenario, sondern beschreibt die logische Konsequenz der Technologie: Du hast diesen Monat schon zehn Liter Diesel getankt, jetzt geht’s nicht mehr. Du bist zu weit aus Hamburg rausgegangen, deine Transaktionen werden eingeschränkt. Was als Komfortverbesserung verkauft wird, ist in Wahrheit der feuchte Traum jedes Kontrollstaates.

Das Entscheidende dabei: Der Entwurf des digitalen Euro-Gesetzes sieht laut Transkript vor, dass Unternehmer den digitalen Euro annehmen müssen. Wer das durchsetzt, der hat kein Zahlungsmittel eingeführt – der hat Zwangsgeld in neuer Form etabliert.

 

Warum die meisten nie anfangen nachzudenken

Dominik beschreibt sich selbst als jemanden, der sich früher mit Geld nicht beschäftigen wollte. Künstler eben. Geld ist irgendwie da oder irgendwie nicht da, man verdient es oder verdient es nicht – aber man versteht es nicht, man will es auch gar nicht verstehen. Das ist kein individuelles Versagen. Das ist ein kulturelles Muster. Geld gilt als langweilig, als Buchhalterding, als etwas, das man anderen überlässt.

Das Problem: Die anderen, denen man es überlässt, profitieren direkt davon, dass man es nicht versteht.

Einer der einprägsamsten Sätze aus dem Gespräch kommt genau aus dieser Beobachtung: Je mehr du über Bitcoin lernst, desto mehr willst du investieren. Nicht, weil Bitcoin-Enthusiasten gute Verkäufer sind. Sondern weil das Verständnis für Bitcoin automatisch ein Verständnis für das Geldsystem erzeugt – und dieses Verständnis macht es schwer, danach weiterhin naiv zu bleiben.

 

Was Bitcoin tatsächlich gelöst hat

Das Gespräch geht auch technisch in die Tiefe – Lightning Network, Skalierbarkeit, Mining-Pools, die Frage der Dezentralität. Und hier ist Dominik jemand, der keinen akademischen Bitcoin-Vortrag hält, sondern seine eigene Lernkurve beschreibt. Er hat den Bitcoin Standard gelesen. Er hat Michael Saylor gehört. Er ist ins Rabbit Hole gefallen und hat sich nach oben gearbeitet.

Was ihn dabei am meisten beeindruckt hat: die Schwierigkeitsanpassung. Dass alle zehn Minuten ein Block geschrieben wird, egal wie viel Rechenkapazität ins Netzwerk fließt – weil sich die Schwierigkeit automatisch anpasst. Das ist das Geniale, das bei Gold nicht existiert. Steigt der Goldpreis, lohnt es sich, tiefer zu graben – also steigt das Angebot, also fällt der Preis. Bei Bitcoin ist das unmöglich. 21 Millionen. Fertig.

Und das Kernproblem, das Bitcoin gelöst hat, das sogenannte Problem der vertrauenswürdigen dritten Partei: Du brauchst niemanden mehr, dem du vertrauen musst. Keine Bank, die entscheidet, ob eine Transaktion durchgeht. Keine Regierung, die das Konto einfrieren kann. Keine Plattform, die dich ausschließt. Bitcoin ist eine Sache zwischen dir und dem Netzwerk.

 

Das Buch und der Ausblick

Dominiks Buch Alles Betrug außer Bitcoin ist nach eigener Beschreibung kein technisches Handbuch. Es ist ein Einstieg: strukturiert wie eine Komposition, mit einem ersten Kapitel über dokumentierte Betrugsfälle – vom individuellen Betrug bis zum Irakkrieg – und dann dem Vergleich zwischen dem Bankensystem und Bitcoin. Für Einsteiger geeignet, aber auch für diejenigen, die Bitcoin schon kennen und eine neue Perspektive suchen.

Bald auch als Hörbuch erhältlich.

Das Buch gibt es hier: allesbetrug.com

 

Die ganze Folge anhören

Raus hier! #49 mit Dominik Schwarzer ist auf YouTube und überall, wo es Podcasts gibt.

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